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7 Signale, dass Ihr Herz mehr Aufmerksamkeit braucht

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Österreich — doch viele Warnsignale werden jahrelang ignoriert oder falsch gedeutet. Kardiologin Dr. Lena Hofstätter erklärt, welche Körpersignale Sie ernst nehmen sollten.

Herzgesundheit – Warnsignale erkennen
Abbildung 1 — Anatomische Darstellung: Herz-Kreislauf-System IMG·001 / 2026·AT

Laut aktuellen Daten der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft sterben jährlich mehr als 38.000 Menschen in Österreich an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Viele dieser Todesfälle wären durch frühzeitige Erkennung und konsequente Vorsorge vermeidbar. Das Problem: Der Körper sendet oft bereits Monate oder Jahre vor einem ernsten Ereignis subtile Warnsignale — die meisten Menschen deuten diese jedoch als normale Erschöpfung oder altersbedingte Veränderungen.

38.400
Herz-Kreislauf-Todesfälle in Österreich jährlich
62%
der Herzinfarkte könnten durch Prävention verhindert werden
4–5 J.
durchschnittliche Dauer bis zur Diagnose bei stillen Symptomen

Signal 01 Ungewöhnliche und anhaltende Erschöpfung

Erschöpfung gehört zum modernen Alltag — doch wenn sie unverhältnismäßig stark auftritt, also wenn selbst alltägliche Tätigkeiten wie Treppensteigen oder Einkaufen zu einer merklichen Belastung werden, sollte das als Warnsignal ernst genommen werden. Besonders bei Frauen tritt extreme Müdigkeit häufig als eines der ersten Herzinfarkt-Symptome auf, noch bevor Brustschmerzen entstehen.

Wenn Sie bemerken, dass Sie bei Aktivitäten, die früher mühelos waren, nun außer Atem geraten oder sich danach tagelang erholen müssen, empfehlen wir eine kardiologische Abklärung. Entscheidend ist der Vergleich mit Ihrem persönlichen Ausgangsniveau — nicht mit einem abstrakt „normalen» Niveau.

Klinischer Hintergrund

Ein geschwächter Herzmuskel pumpt das Blut weniger effizient durch den Körper. Das Gewebe erhält weniger Sauerstoff, was sich als diffuse Erschöpfung äußert. Dieses Phänomen wird in der Kardiologie als kardiale Leistungsminderung bezeichnet und ist oft das erste klinisch messbare Zeichen einer beginnenden Herzinsuffizienz.

Signal 02 Kurzatmigkeit ohne erklärbaren Grund

Wenn Sie beim ruhigen Gehen, im Liegen oder sogar in Ruhe plötzlich das Gefühl haben, nicht genug Luft zu bekommen, kann dies auf ein ernstes kardiales Problem hinweisen. Nächtliche Atemnot, die Sie aus dem Schlaf reißt und Sie zwingt, aufzusitzen, ist ein klassisches Merkmal der dekompensierten Herzinsuffizienz.

Medizinischer Hinweis: Wenn Kurzatmigkeit neu auftritt, sich verschlechtert oder mit anderen Symptomen kombiniert ist, suchen Sie umgehend einen Arzt auf. Warten Sie nicht auf den nächsten Routinetermin — rufen Sie Ihren Hausarzt noch am gleichen Tag an.

Signal 03 Schmerzen, Druck oder Engegefühl in der Brust

Brustschmerzen gelten als das bekannteste Herzwarnsignal — und dennoch wird es häufig fehlgedeutet. Nicht jeder Herzinfarkt beginnt mit dem dramatischen Schmerz, den man aus Filmen kennt. Oft beschreiben Betroffene eher ein Druckgefühl, ein Engegefühl oder ein Brennen hinter dem Brustbein, das in den linken Arm, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen kann.

Typisch für Angina pectoris ist, dass die Beschwerden bei körperlicher Belastung oder emotionalem Stress auftreten und in Ruhe nachlassen. Sollten Sie solche Beschwerden mehr als wenige Minuten verspüren, ist sofortiges ärztliches Handeln erforderlich.

Brustschmerz – kardiologische Einordnung
Abbildung 2 — Schmerzausstrahlung bei kardialen Ereignissen (Quelle: ÖKG, 2025) IMG·002 / 2026·AT

Signal 04 Herzrasen, -stolpern oder unregelmäßiger Herzschlag

Ein gelegentliches Herzstolpern ist meist harmlos. Wenn Sie jedoch häufig das Gefühl haben, dass Ihr Herz zu schnell schlägt, aussetzt oder unregelmäßig schlägt — besonders wenn diese Episoden länger als ein paar Sekunden anhalten oder mit Schwindel begleitet sind — sollten Sie das untersuchen lassen.

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und betrifft in Österreich schätzungsweise 150.000 Menschen. Besonders tückisch: Viele Betroffene spüren das Vorhofflimmern gar nicht — es wird oft erst nach einem Schlaganfall entdeckt, da unkontrolliertes Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko um den Faktor 5 erhöht.

Klinische Einordnung: Eine Ruhe-Herzfrequenz über 100 Schläge pro Minute (Tachykardie) oder unter 60 Schläge pro Minute (Bradykardie) bei Begleitbeschwerden ist abklärungsbedürftig. Ein Langzeit-EKG über 24–48 Stunden gibt in diesen Fällen wichtige diagnostische Hinweise.

Signal 05 Schwindel, Benommenheit oder plötzliche Ohnmacht

Kurze Bewusstlosigkeit ohne Vorwarnung — sogenannte Synkopen — können auf gefährliche Herzrhythmusstörungen oder strukturelle Herzerkrankungen hinweisen. Auch anhaltender Schwindel oder das Gefühl, gleich ohnmächtig zu werden, gehören zu den ernst zu nehmenden kardialen Warnsignalen.

Wichtig: Schwindel, der zusammen mit Brustschmerzen, Herzrasen oder Kurzatmigkeit auftritt, erfordert eine sofortige Notaufnahme. Treten diese Symptome isoliert auf, sollte trotzdem zeitnah ein Arzt aufgesucht werden.

Signal 06 Schwellungen in Beinen, Knöcheln und Füßen

Wenn der Herzmuskel nicht mehr ausreichend pumpt, staut sich das Blut in den Venen. Die Folge: Flüssigkeit tritt ins umliegende Gewebe aus und verursacht Schwellungen — zunächst in den Beinen und Knöcheln, später auch im Bauchraum. Medizinisch spricht man von peripheren Ödemen.

  • Drücken Sie mit dem Daumen für 10 Sekunden auf Ihren Knöchel — bleibt eine Delle, kann ein Ödem vorliegen
  • Morgendliche Schwellungen, die sich abends verschlechtern, sind typisch für Herzinsuffizienz
  • Begleitende Gewichtszunahme von mehr als 2 kg in 2–3 Tagen ist ein Alarmsignal
  • Einseitige Schwellung eines Beins kann auch auf eine Thrombose hinweisen — ebenfalls sofort zum Arzt

Signal 07 Schnarchen und Schlafapnoe

Lautes, unregelmäßiges Schnarchen mit Atemaussetzern — die sogenannte obstruktive Schlafapnoe — ist weit mehr als ein soziales Problem. Sie gilt als unabhängiger Risikofaktor für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und koronare Herzerkrankungen. Studien zeigen, dass unbehandelte Schlafapnoe das Herzinfarktrisiko um bis zu 23% erhöht.

Typische Hinweise sind: übermäßige Tagesmüdigkeit trotz ausreichend Schlaf, morgendliche Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme und häufiges nächtliches Aufwachen. Ein Schlaflab-Test gibt Gewissheit.

Fazit: Wann sollten Sie unbedingt zum Arzt?

Keines dieser Signale allein beweist eine Herzerkrankung. Doch jedes sollte Anlass sein, ärztliche Beratung zu suchen — besonders wenn mehrere Signale gleichzeitig auftreten oder wenn Sie bereits bekannte Risikofaktoren haben: Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes, Rauchen, starkes Übergewicht oder eine familiäre Vorbelastung.

Die gute Nachricht: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in vielen Fällen gut behandelbar, wenn sie früh erkannt werden. Moderne Diagnostikmethoden wie hochauflösende Herzecho-Untersuchungen, Kardio-MRT und Langzeit-EKG erlauben präzise Aussagen über den Herzstatus — schnell, schmerzlos und in Österreich flächendeckend verfügbar.

Empfehlung der Redaktion: Ab dem 45. Lebensjahr empfehlen die österreichischen Fachgesellschaften einen kardiologischen Vorsorgecheck alle 2 Jahre — unabhängig von aktuellen Beschwerden. Fragen Sie Ihren Hausarzt gezielt danach.

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